Monday, August 8, 2022

Aufstieg und Fall des russischen Google-Konkurrenten

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Aus dem einst hippen russischen Start-up Yandex wurde ein Propaganda­instrument – und durch den Krieg faktisch ein Monopolist. Dennoch steht das Unternehmen nahe am Bankrott. Eine Recherche des Schweizer Magazins »Republik«.

Wer in Russland etwas im Internet sucht, wird den Begriff vielleicht googeln. Doch wahrscheinlicher wird er oder sie den Begriff yandexen.

Yandex.ru ist mit 60 Prozent Markt­anteil die führende russische Such­maschine. Doch ihre Startseite ist viel mehr als das: Sie ist quasi das Eintritts­tor zum russischen Internet. Yandex bietet Nachrichten, Wetter­berichte, Videos, E-Mail- und Streaming­dienste, Blogs, Transport­angebote und Essens­lieferungen aus einer Hand an. Auch virtuelle Assistenten, Liefer­roboter und selbst­fahrende Autos hat Yandex im Angebot.

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Die Erfinder von Yandex haben ihre Such­maschine zeitgleich mit der US-Konkurrenz gestartet. Es ist eines der wenigen großen Techunternehmen, die von einer Frau mitgegründet und zuletzt von einer Frau geführt worden sind. Und auch wenn außerhalb von Russland kaum jemand den Namen des Konzerns mit knapp 20.000 Mitarbeitenden kennt, bezeichnet sich Yandex selbst als größtes europäisches IT-Unternehmen.

Noch am 22. Februar – Zwei Tage bevor der russische Angriffs­krieg gegen die Ukraine begann – präsentierten sich zwei gut gelaunte Moderatoren in Hoodies und mit großen Kaffee­tassen in der firmen­eigenen Gesprächs­reihe »Ya Talks«. Sie plauderten mit zwei Machine-Learning-Experten über die virtuelle Assistentin Alisha: was die digitale Helferin bereits alles versteht, welche Wörter sie noch falsch ausspricht. Die Stimmung war gut, die Aussichten für 2022 sahen vielversprechend aus, das Unternehmen hatte im Jahr zuvor 2,5 Milliarden Euro Umsatz gemacht.

Die Rechnung ist nicht aufgegangen. Denn die EU macht Yandex für die Desinformation der russischen Bevölkerung mitverantwortlich und hat die Führungs­kader des Unter­nehmens mit Sanktionen belegt.

Tatsächlich wurde Yandex in den fast 25 Jahren seines Bestehens zur größten digitalen Echo­kammer des Kreml. Alle angezeigten Medien­links beim Nachrichten­aggregator Yandex News (dem russischen Pendant von Google News) sind vom russischen Regime abgesegnet. Wer sich auf Yandex Informationen über die vom Staats­fernsehen präsentierte »Spezialoperation« in der Ukraine beschaffen will, bleibt in einer Propaganda­blase gefangen. Der Begriff »Krieg« existiert nicht in der Yandex-Welt. Und damit auch nicht im russischen Internet. »Unsere Such­maschine ist der Spiegel des russischen Netzes«, so drückt es ein Mitarbeiter gegenüber der »Republik« aus.

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